Geistliche Impulse

Ökumenischer Gottesdienst zur Vereidigung von Polizeikommissaranwärterinnen und -anwärtern am Hessentag - 31. Mai 2015

Ansprache im Gottesdienst

Verehrte Polizeikommissaranwärterinnen und -anwärter, die sie heute vereidigt werden,
verehrte Angehörige und Gäste,
liebe Schwestern und Brüder,

heute ist ein besonderer Tag für Sie! In ungefähr zwei Stunden werden Sie Ihren Diensteid ablegen. Solche Tage, an denen man öffentlich ein Versprechen ablegt, und an denen man auch eine Zusage erhält, sind wichtig und müssen auch gestaltet sein.
Zu dieser Gestaltung gehört für Sie auch der ökumenische Gottesdienst, den wir jetzt feiern und ein Leitwort - etwas, was Sie an diesen Tag und die Besonderheit des Tages und Ihres Dienstes erinnert.
Das Wort, das Sie sich als Leitwort für diesen Gottesdienst ausgewählt haben, „Polizei Hessen - Ihr Vertrauen ist unser Anspruch“ ist ein sehr anspruchsvolles und zugleich kluges Motto!

Anspruchsvoll, weil es Sie selbst in die Pflicht nimmt - sie formulieren einen Anspruch ans sich selbst, an Ihr Auftreten, Ihr Handeln, Ihr Wirken. Und es ist klug, weil es sich auch den anderen in den Blick nimmt, den, für den Sie ihren Dienst tun, den, der von Ihnen Hilfe und Beistand erwartet und der Ihnen Vertrauen entgegenbringt. Und weil es eine wichtige Grundhaltung zum Ausdruck bringt: Vertrauen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe mich gefragt, wem bringe ich Vertrauen entgegen, wem schenke ich es, von wem bekomme ich es geschenkt. Da ist zunächst die Familie. Eltern schenken ihren Kindern vertrauen - Kinder vertrauen ihren Eltern. Dieses Verhältnis ist grundlegend für vieles, was später im Leben geschieht und wie wir unser Leben und unsere Beziehungen gestalten können.

Menschen vertrauen einander: Dem Ehepartner, der Freundin, dem Freund. Es ist gut, einen Freund zu haben, mit dem - wie das Sprichwort sagt - Pferde stehlen kann - mit dem man durch dick und dünn geht, der einem in schweren Situationen beisteht.

Menschen vertrauen in ihren beruflichen Kontexten einem anderen Menschen. Das gilt sicher in vielen Berufen und Arbeitsgebieten. Es gilt besonders auch bei Ihnen! Sie müssen sich auf den, er mit ihnen Dienst tut, verlassen können, Sie müssen ihm vertrauen können - und er ihnen. „Wenn nicht dem Kollegen, wer dann?“ So hat es Vor ein paar Tagen ein junger Mann formuliert, der seit einiger Zeit bei der Bundespolizei tätig ist. Sie sind in ihrem Dienst, bei Ihren Einsätzen gleich welcher Art, aufeinander angewiesen. Im Extremfall kann dieses sich-auf-den-anderen-Verlassen können - Leben retten.

Liebe Polizistinnen und Polizisten,

Sie und viele andere sind eingebunden in ein Verhältnis zu ihrem Dienstgeber, das ebenfalls von Vertrauen gekennzeichnet ist. Heute, wenn Sie Ihren Diensteid ablegen, dann wird das eindrücklich. Durch ihren Eid gehen Sie eine Bindung ein. Sie binden sich selbst: an Grundgesetz und Verfassung, eine Bindung an Ihre Aufgaben, eine Bindung an den Staat.

Und Sie bekommen etwas geschenkt: Man setzt in Sie das Vertrauen, dass Sie Ihren Beruf, Ihre Aufgaben, gleich welcher Art sie einmal sein wird - gut und gewissenhaft erfüllen können. Manchmal wird es vielleicht auch zu Konflikten kommen zwischen dem, was Sie dienstlich tun müssen und was sie an privater Meinung haben.

Dennoch: Diensteid ist quasi ein Vertrauensbeweis auf Gegenseitigkeit.

Als Polizistin, als Polizist, bringen Ihnen die Menschen Vertrauen entgegen. Das in einem hohem Maße: 84 % der Bürger vertrauen der Polizei (damit erste in der Vertrauensliste - Umfrage 2015). Damit rangiert die Polizei weit vor Regierungen, Kirchen, Parteien oder Banken.

Wodurch kommt das? Zum einen durch Ihr Äußeres, dadurch, dass Sie eine Uniform tragen. Aber die Uniform will letztlich gefüllt sein durch die Person, die sie trägt, durch die Haltung, die Art und Weise des Umgangs, durch die Professionalität des Handelns. Menschen erwarten von Ihnen Hilfe, Unterstützung, Beistand. Und sie erwarten es zu Recht.

Zum zweiten durch gute Erfahrungen, die Menschen mit der Polizei gemacht haben und machen. Durch das, was Frauen und Männer, landauf, landab, durch Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen erlebt haben. Ich selbst darf mich da etwas einreihen - während meiner Tätigkeit als Notfallseelsorger in Kassel war ich einige Male mit Kollegen von Ihnen unterwegs: Es galt, Todesnachrichten an Angehörige zu übermitteln. Ich war beeindruckt über die sensible Art, Professionalität und Klarheit, die Ihre Kolleginnen und Kollegen in dieser Extremsituation hatten und wie sie mit den Menschen, die vor uns saßen, umgegangen sind.

Für mich zeigt sich dabei, dass es auch darauf ankommt, sich selbst etwas zuzutrauen, sich selbst zu vertrauen. Wir dürfen auf uns selbst vertrauen, auf unsere Fähigkeiten und Gaben, auf das, was wir gelernt haben, auf die Kräfte, die Ressourcen, die in uns stecken. Bei Ihren Einsätzen und aller Belastung, dürfen Sie immer wieder auch auf sich selbst vertrauen.

Ja, auch dies wird es geben: Belastende Situationen, extreme Einsätze, Bilder, die sich in ihren Kopf und ihr Herz eingraben. Da braucht es auch die Möglichkeit und die Selbstverständlichkeit von Hilfe durch andere, um damit umzugehen, um Einsätze besprechen und evtl. aufarbeiten zu können.

Liebe Schwestern und Brüder,

Vertrauen ist ein hohes Gut, es kann vorhanden sein, es kann gewonnen werden, es kann verloren gehen. Vertrauen ist zerbrechlich. Wie leicht Vertrauen verspielt, erschüttert wird und dann abhanden kommt, haben in den letzten Jahren viele Institutionen und Personen erlebt. Die Institution, für die ich stehe, steht da in der Rangliste leider ziemlich weit oben. Auch wenn man selbst nichts für das Handeln oder Nichthandeln von Kollegen kann, so ist man doch persönlich betroffen und angefragt.

Das, was andere tun, die zur selben Berufsgruppe gehören, wirkt sich auf alle aus.
Da ist es dann schwer, verlorenes wieder zurückzugewinnen.
Das ist ein langer Weg.

Und diese Erfahrung gleich bei welcher Person oder Institution ist ein Hinweis darauf, dass Leben hier unvollständig, bruchstückhaft, fehlerhaft, ist und bleibt.

Ihrem Motto „Polizei Hessen - Ihr Vertrauen ist unser Anspruch“ ist ein Wort aus der Bibel zur Seite gestellt, das dem Neuen Testament der Bibel, dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Korinther entnommen ist. Korinth: Zurzeit des Paulus eine lebhafte Hafenstadt, mit Einwohnern, Händlern und Gästen aus vielen Provinzen und  Gebieten. Das Leben dort war in vielen Bereichen vielfältig und freizügig.

Paulus hat diese Stadt mehrfach besucht und eine Gemeinde gegründet. Seine Unterstützung fand ihren Niederschlag auch in dem Schreiben von zwei Briefen, in denen er die Korinther ermahnte, aufbaute, ermutigte an dem festzuhalten, was er ihnen gesagt und gepredigt hat. Paulus forderte die Gemeindemitglieder auf, ihm zu vertrauen und letztlich dem zu vertrauen, von dem Paulus selbst erzählt und gepredigt hat: Jesus Christus.

2. Brief an die Korinther, Kapitel 3, Verse 4-6

4 Wir haben durch Christus so großes Vertrauen zu Gott.
5 Doch sind wir dazu nicht von uns aus fähig, als ob wir uns selbst etwas zuschreiben könnten; unsere Befähigung stammt vielmehr von Gott.
6 Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.

Dieser Text ist eine Einladung, Vertrauen zu entwickeln und zu entfalten. Vetrauen, das über das Hier und Jetzt hinaus geht. Wir können - und das ist die Botschaft des Textes und des Christseins überhaupt - über die menschliche Existenz, über unser Leben, Tun und Wirken, über unser Können und unsere Fehler hinaus blicken.
Wir dürfen quasi den Horizont des Lebens erweitern.

Christen tun das, in dem Sie in Gott vertrauen. Dieser Glaube hat unzähligen Menschen in allen Generationen geholfen, mit ihrem Leben, mit dem, was ihnen geschenkt und widerfahren ist, umzugehen. Sie wussten und wissen sich in ein Größeres Ganzes aufgehoben, Teil eines anderen, eines Größen zu sein.

Diese Einladung gilt immer wieder und auch heute. Wenn Menschen an die Grenzen ihres Tuns, des Verstehens, des Handelns kommen, wenn die Antworten nicht ausreichen und zu kurz greifen, dann besteht die Einladung, noch einen anderen ins Boot zu holen.
Nicht, weil wir dann gleich alle Antworten hätten, sondern weil es hilft, die Sprachlosigkeit auszuhalten, und weil es hilft, hinter allen Buchstaben des Gesetzes immer den Menschen zu sehen. Denn es geht um den Menschen bei Ihrem Dienst!

Liebe Polizistinnen und Polizisten,

dass Sie bei all ihrem Tun, ihren vielfältigen, schweren und schönen, ihren wichtigen Aufgaben, immer den Menschen im Blick behalten können, das wünsche ich Ihnen.
Dass sie immer wieder Vertrauen geschenkt bekommen - von ihrem Dienstgeber, von den Menschen, denen Sie begegnen.
Dass sie anderen Vertrauen schenken und in einem guten Vertrauen auf Menschen und auf Gott ihren Dienst vollziehen und ihr Leben gestalten können.
Und: Dass sie immer gesund und heil zu Ihren Lieben nach Hause kommen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihr Leben, Ihren Dienst und Ihr Wirken alles Gute und Gottes Segen. Amen.

Peter Göb
Ordinariatsrat

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